Mit dem Projekt InterViT (interprofessionelles Visitentraining) hat das Institut für Medizinische Lehre gemeinsam mit dem Berner Bildungszentrum Pflege, an der das Projekt ursprünglich entstanden ist (Schlegel et al, 2022, https://doi.org/10.1024/1661-8157/a003890), und der Berner Fachhochschule ein innovatives Trainingsformat implementiert. Das Ziel ist klar: Studierende aus bis zu acht Studiengängen – von der Humanmedizin über die Pharmazie bis hin zur Physiotherapie und Hebammenkunde/Geburtshilfe – sollen lernen, eine Visite nicht nur nebeneinander, sondern miteinander und vor allem auf Augenhöhe zu gestalten.

Die Methode: Realität im geschützten Raum

InterViT setzt auf einen modernen didaktischen Mix, der Theorie und Praxis nahtlos verbindet:

  • Flipped Classroom: Onlinevorlesungen, kurze Podcasts und Skripte bereiten die Teilnehmenden zeitlich flexibel auf die Kursinhalte vor.
  • Peer-Learning: Die Studierenden schlüpfen in ihre zukünftigen Rollen und lernen dabei auch die Perspektive der anderen Disziplin hautnah kennen.
  • Simulationsbasiertes Lernen: In realistischen Szenarien treffen Studierende auf Simulationspatient:innen. Hier darf probiert, korrigiert und neu angesetzt werden.

Pionierarbeit und erste Meilensteine

Der Weg zur interprofessionellen Exzellenz ist kein Sprint, sondern ein Marathon der Koordination. Die größte Hürde? Die Synchronisierung der unterschiedlichen Stundenpläne und Curricula der beteiligten Institutionen. Dennoch konnten in den Pilotphasen 2024 und 2025 bereits wichtige Erfolge erzielt werden.

Das Training war unglaublich realistisch. Ich fühle mich jetzt viel sicherer in der Kommunikation mit anderen Berufsgruppen.

Teilnehmerin aus der Humanmedizin.

Was wir aus den Pilot-Tests lernten

Die Evaluationen der ersten Durchgänge, die als Wahlfach durchgeführt wurden, sprechen eine deutliche Sprache: Die Studierenden schätzen die hohe Praxisnähe und die Atmosphäre auf Augenhöhe. Besonders das strukturierte Debriefing nach den Simulationen wurde als „echter Augenöffner“ bezeichnet.

Natürlich gab es auch Lernfelder für das Projektteam:

  • Rollenklarheit: Gerade für Pharmazie-Studierende muss die spezifische Rolle im Visitenteam noch schärfer konturiert werden.
  • Effizienz: Die theoretische Einführung wurde bereits gestrafft und durch kompakte Videoformate ersetzt, um mehr Zeit für das eigentliche Üben am Bett zu schaffen.
  • Digitaler Zugang: Die Harmonisierung der Lernplattformen bleibt eine logistische Aufgabe, um allen Teilnehmenden den gleichen Zugriff auf Materialien zu ermöglichen.

Ausblick: Der Weg zum Roll-out 2027

InterViT ist mehr als ein Pilotprojekt – es ist ein Vorzeigemodell für eine innovative Lehrkultur unter Einbezug verschiedener Berufsgruppen am Standort Bern. Die Pläne für die Zukunft sind wie folgt:

  1. Erweiterung der Breite: In den kommenden Semestern werden weitere Professionen wie die Physiotherapie und Ernährungsberatung fest integriert.
  2. Institutionelle Verankerung: Geplante „Interprofessionelle Wochentage/-halbtage“ sollen sicherstellen, dass das Training kein Wahlfach bleibt, sondern fester Bestandteil der Ausbildung wird.
  3. Nachhaltigkeit: Durch die Unterstützung der Fakultätsleitung und des Studiendekanats strebt das Projekt einen flächendeckenden Roll-out bis zum Frühjahr 2027 an.

Das Fazit fällt positiv aus: Trotz der organisatorischen Komplexität zeigt InterViT, dass die Begeisterung der Studierenden für die Zusammenarbeit institutionsübersgreifend ist. Wenn angehende Mediziner:innen, Pharmazeut:innen, Hebammen, Physiotherapeut:innen und Pflegefachkräfte bereits im Studium lernen, die Kompetenzen der jeweils anderen Gruppe wertzuschätzen, profitieren am Ende die, um die es wirklich geht: die Patientinnen und Patienten.

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Didaktische Hintergründe & beteiligte Partner

Besuchen Sie die Projektseite von IAVI (der FIT-Dachorganisation: https://ipzswiss.ch/).

FILMED Grant

Das Projekt wurde 2024 von der Medizinischen Fakultät Bern im Rahmen des FILMED-Programms mit einem Grant von CHF 40'000.- gefördert.