Entsprechend einer aktuellen Publikation des Instituts für Medizinische Lehre erfüllt der Einsatz von Kinderschauspielpatienten im Rahmen von einer praktischen Parcoursprüfung die meisten der internationalen Kriterien einer guten Prüfung. Der Einsatz von Grundschulkindern als Schauspielpatient*innen wurde von allen Beteiligten als fair, akzeptabel, realistisch und durchführbar empfunden.

Prüfungen stellen einen hohen Lernanreiz für Studierende dar. Deshalb ist es wichtig, dass Prüfungen möglichst realitätsnah sind. Häufig werden im Rahmen von praktischen Parcours-Prüfungen (OSCE) keine Kinder eingesetzt, sondern eher Simulationspuppen und Schauspieleltern. Um die Prüfung realistischer zu machen und um insbesondere auch die Kommunikation der Studierenden mit den Kindern und den praktischen Untersuchungs-fertigkeiten der Studierenden mit Kindern zu beurteilen, werden im Berner Medizinstudium seit 2015 Kinderschauspielpatient*innen eingesetzt.

Das Ziel der aktuell publizierten Studie war es, zu untersuchen, ob Kinder als Schauspiel-Patient*innen (SPs) für eine summative OSCE-Station die Ottawa-Kriterien für eine gute Beurteilung erfüllten. Dazu wurden die Daten einer Prüfung von teilnehmenden Studierenden (n=124), Prüfenden (n=11) und Grundschüler*innen (n=127) mit Hilfe von Fragebögen (Schüler*innen, Prüfer*innen), Fokusgruppen (Prüfer*innen) und Interviews (Schüler*innen, Prüfer*innen) erhoben. Zudem wurden die psychometrischen Qualitätsindizes dieser OSCE-Station analysiert.

Die Ergebnisse zeigten, dass diese OSCE-Station valide, reliabel sowie durchführbar ist und eine pädagogische Wirkung und Akzeptanz erreicht werden konnte. Studierende und Prüfende akzeptierten den neuen Ansatz und bewerteten ihn als fair, akzeptabel, realistisch und valide. Diese OSCE-Station hatte einen wahrgenommenen positiven pädagogischen Effekt für 30% der Studierenden, die Kinderschauspiel-patient*innen erwarteten. Die Prüfenden gaben an, dass es machbar war, Kinder einzubeziehen.

Die Kinder hatten grossen Spass an ihrer Teilnahme. Die statistischen Qualitätsindizes lagen in den empfohlenen Bereichen. Es lässt sich schlussfolgern, dass Grundschulkinder als SPs für eine summative OSCE-Station von allen Beteiligten als fair, akzeptabel, realistisch und durchführbar empfunden wurden, und es wurde eine positive pädagogische Wirkung festgestellt. Diese pädiatrische OSCE-Station erfüllte fünf der sieben Ottawa-Kriterien (alle bis auf „Equivalence“ und „Catalytic effect“, die in diesem Setting nicht untersucht wurden). Weitere Studien sind erforderlich, um verschiedene pädiatrische Stationen zu untersuchen.

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wir möchten den vielen Beteiligten unseren herzlichen Dank aussprechen, insbesondere den beteiligten Kindern und Lehrerinnen und Prüfenden.

Aktuelle Publikationen

To cite this article: Rabea Krings, Sabine Feller, Ivana Wittwer, Kai Schnabel, Maja Steinlin & Sören Huwendiek (2021): Elementary school children as standardized patients in a summative OSCE – A mixed-method study according to the Ottawa criteria for good assessment, Medical Teacher, 43:10, 1170-1178, DOI: 10.1080/0142159X.2021.1918656
Link to this article: https://doi.org/10.1080/0142159X.2021.1918656

Beteiligte bei der Etablierung dieser neuen Prüfung

Bern: Rabea Krings, Sabine Feller, Kai Schnabel, Sandra Wüst, Beate Brem, Maja Steinlin, Franziska Merz, Sören Huwendiek

Zürich: Sabine Kroiss, Bea Latal, Sepp Holtz, Ernst Jünger, Jutta Bisaz, Roger Kropf, Christian Schirlo, Claudia Seeberger, Rahel Keiser

Förderung

Wir danken dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Auftrag der Prüfungskommission der Eidgenössischen Prüfung Humanmedizin für die teilweise Förderung dieses Projekts.


Dr. phil. Rabea Krings Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+41 31 684 62 32
rabea.krings (at) iml.unibe.ch