Das Institut für Medizinische Lehre (IML) ist seit 2023 Teil des internationalen IMEX-Netzwerks. Nach Besuchen zum wissenschaftlichen Austausch in Stockholm (2023) und Utrecht (2024) fand vom 2. bis 7. November 2025 der Gegenbesuch in Bern statt. Unter dem Motto «Let’s learn from each other» trafen Lehrende der Medizin aus Schweden, Deutschland und den USA mit Expertinnen und Experten des IML zusammen (siehe Infobox).
Im Zentrum des Austauschs standen gemeinsame Herausforderungen, bewährte Ansätze sowie unterschiedliche Lösungswege in der medizinischen Ausbildung, die vertieft aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert wurden.

Das Medizinstudium in der Schweiz
Ein inhaltlicher Fokus lag auf den Besonderheiten des Medizinstudiums in Bern und in der Schweiz. Beiträge aus Universitätsleitung (Prof. Sager), Fakultätsleitung (Prof. Bassetti), dem Lehrdekan der Medizinischen Fakultät (PD Dr. Hari), dem IML und von zahlreichen weiteren Beteiligten boten sowohl einen Überblick über nationale Rahmenbedingungen, Eckwerte zu Organisation und Strategie aus Sicht der Universität und der Medizinischen Fakultät als auch vertiefte Einblicke in innovative Aktivitäten im Rahmen des Medizinstudiums. Zudem wurden die Bildungsentwicklung, Karrierewege in der medizinischen Lehre, Habilitations- und Lehrforschungsstrukturen vorgestellt.
Die Fachschaft Medizin Bern (fsmb) stellte sich durch ihre Mitarbeit in allen Gremien der Lehre und eigene Initiativen als wichtiger Akteur vor. Der Umstand, dass ein Teil der Absolventinnen und Absolventen den ärztlichen Beruf nicht ergreift, wurde als gemeinsame Herausforderung diskutiert.
Rolle und Aktivitäten des IML
Das IML verfügt über mehr als 50 Jahre Erfahrung im Assessment und der Förderung einer qualitativ hochwertigen medizinischen Ausbildung.
Im Bereich Assessment wurden die vom IML gemeinsam mit den Schweizer Fakultäten entwickelten Prüfungsverfahren vorgestellt und diskutiert. Die eidgenössische Prüfung (EP) mit ihrer praktischen Komponente (OSCE) stellt eine schweizerische Besonderheit dar und ist Voraussetzung für den Einstieg in die ärztliche Weiterbildung. «Nicht nur Wissen, sondern angewandtes Wissen, also Handlungskompetenzen in einem konkreten klinischen Kontext zu prüfen, ist ein zentraler Mehrwert dieser Prüfungsform», betonten die IML-Expertinnen und Experten. Die Schweizer Lösung wurde mit Modellen aus Deutschland, Schweden und den USA verglichen.
Das IML-eigene Programm für Simulationspersonen (SP) wurde ebenfalls präsentiert. Simulationspersonen werden in Bern sowohl in Prüfungen als auch in der Lehre seit Jahren gezielt rekrutiert, trainiert und eingesetzt. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der national einmalige OSCE-Prüfungstrack mit Schulkindern in der Pädiatrie, der durch seine hohe Authentizität überzeugt sowie die Herstellung und Anwendung von Moulagen, um Prüfungssituationen mit Simulationspersonen noch realistischer zu gestalten. Die Teilnehmenden erhielten weitere praxisnahe Einblicke in zentrale Tätigkeitsfelder, darunter E-Learning und Videoproduktion. Das aktive Mitwirken der Gäste förderte einen lebendigen fachlichen Austausch.
Nicht nur Wissen, sondern angewandtes Wissen, also Handlungskompetenzen in einem konkreten klinischen Kontext zu prüfen, ist ein zentraler Mehrwert dieser Prüfungsform.
Innovation und Ausblick
Ein modernes Medizinstudium muss vielfältigen Bedürfnissen gerecht werden. Dies zeigte z.B. ein aktuelles Pilotprojekt zum Coaching von Studierenden, das auf dem Gibbs’schen Reflexionszyklus[1] basiert. Im Zentrum steht die Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden, begleitet durch erfahrene Klinikerinnen und Kliniker. Eine schrittweise Integration in das Berner Curriculum ist ab dem Frühlingssemester 2026 vorgesehen.
Fazit
Das IMEX-Treffen in Bern ermöglichte vertiefte Einblicke in den Medizinstandort Bern aus Sicht der Medical Education und einen intensiven internationalen Austausch. Gerade im kleinen, fokussierten Rahmen zeigte sich der besondere Wert des IMEX-Formats: Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren. Die Evaluation bestätigt, dass das Treffen die Erwartungen der Teilnehmenden erfüllte und bereits Vorfreude auf das nächste Treffen in Dresden besteht.
[1] Gibbs, G. (1988) Learning by Doing: A guide to teaching and learning methods. Further Education Unit, Oxford Brookes University, Oxford
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Prof. Eli Westerlund (Karolinska Institutet) -

Dr. rer. nat. Lydia Günther (Technische Universität Dresden) & Prof. Katie Famous (Kaiser Permanente Bernard J. Tyson School of Medicine) -

Prof. Sylvia Vetrone (Kaiser Permanente Bernard J. Tyson School of Medicine) -
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Prof. Sissel Guttormsen (Direktorin IML) & Prof. David Ansari (University of Illinois College of Medicine) -

Gruppendiskussion mit Prof. Sören Huwendiek & Prof. Christoph Berendonk (IML) -

Prof. Kai Schnabel (IML)
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Dr. Beate Brem (IML) -

Moulagendemo -

Moulagendemo mit der IML-Maskenbildnerin Miria Germano (Testperson Prof. Kai Schnabel, IML) -

Beispiel Moulagen -

Moulagendemo mit Dr. Daniel Bauer (IML) -

Prof. Sissel Guttormsen im IML Videostudio -
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Dr. Nina Loretz (wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Coaching-Programm) und Prof. Sissel Guttormsen -

Gruppenbild mit Studierenden